Gozo 30.09.- 09.10.2008
Unsere diesjährige Tauchreise führte uns nach Gozo. Gozo gehört zu Malta und liegt im Mittelmeer zwischen Sizilien und dem afrikanischen Festland. Zu fünft ging es los: Kerstin, Alina, Siggi, Stefan und ich hatten beschlossen, dem herbstlichen Wetter in Deutschland den Rücken zu kehren und bei angenehmen 25 Grad Luft- und 23 Grad Wassertemperatur einen entspannten Urlaub zu verbringen. Siggi kannte Gozo schon, für den Rest war es ziemliches Neuland. Die Anreise war schon etwas mühsam: mit dem Leihwagen nach Frankfurt (Siggi und Alina kamen mit dem Zug), 2,5-Stunden Flug nach Valetta (mit heftigen Turbolenzen und einem Mädel, dass die letzte halbe Stunde vor Angst gestöhnt und geschrieen hat), anschließend folgte der Transfer mit dem Taxi zum Fährhafen Cirkewwa, dort eine Stunde warten und weiter mit der Fähre nach Mgarr auf Gozo. Nun wieder mit einem Taxi weiter nach Marsalforn- diese Fahrt bei sintflutartigen Regenfällen verlief abenteuerlich und fast wie im Blindflug.



Tropfnass kamen wir beim Appartment nachts um 01.30 Uhr an, um festzustellen, dass der Schlüssel, den uns der Taxifahrer zugesteckt hatte, nicht passte. Zum Glück wusste Siggi, wo das dazu gehörige Hotel lag und erstaunlicherweise war sogar die Rezeption zu dieser Zeit besetzt. Nach 10 Minuten waren wir dann in unserer Bleibe für die nächsten 10 Tage und hier machte sich doch etwas Unmut breit: der Herd wurde von einer Gasflasche betrieben, die zu Zeiten des Untergangs der Titanic hergestellt wurde, die Klimaanlage war etwa gleiches Baujahr, insgesamt recht dürftiges Ambiente und bereits nach ca. 2 Minuten der erste Schaden, nachdem ich die Badtür schließen wollte und dabei die Türklinke abbrach. Aber wir waren ja zum Tauchen da: also erstmal einen Pernod/ Cola trinken, eine Runde schlafen und dann uns einen Überblick verschaffen.



Am nächsten Morgen ging es dann auch gleich zur Tauchbasis Calypso. Kerstin hatte ja schon regen Mailverkehr mit George in den letzten Wochen gehabt und persönlich waren wir ihm ja auch schon auf der Boot im Januar begegnet. So war der Papierkram dann auch schnell erledigt. Die Verständigung war kein Problem, da Englisch eine der Landessprachen ist. Blei und Flaschen wurden uns ausgehändigt und Siggi meldete sich gleich freiwillig als Fahrer unseres Pickup´s im ungewohnten Linksverkehr.



Der Wagen war leider in desolatem Zustand: das einzige an ihm, was keinen Krach machte war die Hupe… So konnten wir dann eigenständig zum Tauchen losziehen, was einige Vorteile hat: tauchen, wann man es möchte und keine gängelnde Tauchbasis. Was jedoch von uns als störend empfunden wurde, war die totale Gleichgültigkeit der Basis unseren Aktivitäten gegenüber: keine Einweisung, z. B. wo es nach den letzten Regenfällen auf Grund von schlechter Sicht nicht so sinnvoll wäre zu tauchen etc.- auch wenn wir als selbst organisierte Truppe sicherlich nicht so viel Geld in die Basiskasse schwemmen, sieht guter Service doch etwas anders aus.



Das Tauchen entschädigte dann doch für einiges- allerdings ist diese Art Tauchurlaub nicht zu vergleichen mit den „all inclusive“- Veranstaltungen in den Tropen: die Tauchplätze sind zwar alle recht schnell erreichbar, aber die ganze Sache läuft schon deutlich beschwerlicher ab, als wenn man sich einfach rückwärts vom Tauchboot ins Wasser fallen lässt.



Hier gab es Tauchplätze, die mit normalen PKW´s gar nicht erreichbar gewesen wären, teilweise musste über scharfkantiges Gestein geklettert werden oder über Natursteinstufen mit Gerödel 60 Höhenmeter überwunden werden.



Keiner von uns kam ohne Sturz aus (welche zum Glück alle glimpflich verliefen) und auch Kerstins Kamera wurde dabei nicht beschädigt- da wurde der geschwollene Daumen als deutlich kleineres Übel angesehen…



So betauchten wir einige wirklich tolle Spots, wie z. B.:
Blue Hole mit Azure Window: nach etwas Kletterei kommt man zu einem runden Felsplateau. Hier taucht man ab und gelangt in ca. 8 m Tiefe an einen Durchgang ins offene Meer. Die tiefblaue Farbe, die einen erwartet, ist gigantisch und braucht den Vergleich mit tropischen Farbspielen nicht scheuen. Weiter geht es zum Azure Window, einem über- und unterirdischen Felsentor, welches man umrunden kann.



Xwejni Bay: Ganz leichter Tauchgang mit simplem Einstieg. Man taucht einfach Richtung offenes Meer. Der Grund fällt nur langsam ab und es geht über schöne Seegraswiesen mit Senken und kleinen Canyons.



Inland Sea: In seiner Art einmalig- man taucht vom Inland Sea im Landesinneren durch einen Tunnel ins offene Meer hinaus. Aus dem anfangs grünlich-trüben Wasser des Sees taucht man in die Dunkelheit hinein, an deren Ende sich allmählich ein tiefblauer Horizont abzeichnet. Dann taucht man weiter an der Steilküste lang und sieht aus 30 Metern an der Oberfläche die heftige Brandung gegen die Felsen schlagen.. ein absolutes Highlight!



Mgarr Ix-Xini: Die fjordähnliche Schlucht ist einfach zu betauchen- über einen flachen Sandgrund geht es zwischen steilen Seitenwänden gemächlich Richtung offene See.



Die Bucht diente in der Vorzeit Piraten als Versteck und später den Kreuzrittern als schützender Hafen. Obwohl der Tauchplatz als ziemlich „Seepferdchen-sicher“ bezeichnet wurde, konnten wir leider keins entdecken. Auch ein zweiter Besuch hier brachte nicht die erhofften Bilder der scheuen Tarnkünstler… Wrack „Rozi“: Hierfür mussten wir mit der Fähre nach Malta übersetzen. Direkt neben dem Fähranleger am Leuchtturm gelegen ist auch schon der Einstieg zu diesem tollen Wrack. Auf ca. 35 Meter Tiefe liegt es auf hellem, sandigen Grund. Viel Fisch, wie z. B. Barakudas und der gute Zustand des Wracks lassen schöne Bilder zu…



P29: ehemaliges ostdeutsches Minensuchboot, was nach dem Fall der Mauer an Malta verkauft wurde und noch ca. 10 Jahre in Betrieb war- mit einer Boje gekennzeichnet liegt es etwa 200 Meter von der „Rozi“ entfernt in ca. 38 Meter Tiefe.



Double Arch: Eine riesige Felsformation mit einer doppelt durchbrochenen Wand in etwa 38 Meter Tiefe kann um- und durchtaucht werden. Um hier ins Wasser zu kommen, muß über die Salzfelder balanciert werden- der Einstieg in die Waschmaschine ist dabei nur bei ruhiger See möglich.



Ghasri Valley mit Kathedrale: sehr malerischer Tauchplatz, den man über unzählige Stufen erreicht. Die Kulisse ist einzigartig- man taucht durch diesen engen Canyon Richtung offenes Meer. Hat man diese erreicht, sind es noch etwa 100 Meter Richtung Osten… dort erreicht man den Eingang zu einer Höhle, in der man Auftauchen kann: super schön und mit atembarer Luft, da dieser „Blue Dome“ durch ein Loch in der Decke mit Frischlust versorgt wird.



Tscha, aber auch die schönsten Tauchgänge gehen mal zu Ende. Riesenkompliment muß man Siggi machen: ohne sein fundiertes Wissen bezüglich der Besonderheiten der Tauchplätze hätten wir es nicht so entspannt angehen lassen können.



Die Selbstversorgung hat gut geklappt und für abends gab es jede Menge Restaurants, die man heimsuchen konnte. Allerdings scheinen die Gozianer keine eigene Küche zu haben: die Speisekarten waren überall gleich und die meisten konnten nach diesen 10 Tagen keine Pizza mehr sehen. Zum Glück gab es in Victoria MC Donalds“, was unser Überleben sicherte.



Wir haben viel gelacht, z. B. als Siggi mit seinem Akku an der Steckdose, erst ein kleines Feuer auslöste und später dafür sorgte, dass wir gar keinen Strom mehr hatten. Uns wurde aber sofort geholfen- man muß sagen, dass eigentlich alle recht freundlich waren… mit Ausnahme vielleicht von dem Taxifahrer bei unserer Ankunft in Marsalforn: Stefan wollte ihn durch Winken zum Anhalten bringen, da unser Schlüssel ja nicht passte. Der Mann winkte zurück… und äh… fuhr weg!



Bei aller Kritik an der Tauchbasis soll aber auch erwähnt werden, dass wir eigentlich immer relativ unproblematisch an gefüllte Flaschen ran gekommen sind und das Alina das vorher gebuchte Tauchpaket nicht zahlen musste, da sie aus gesundheitlichen Gründen nicht tauchen gehen konnte.



Gozo ist zum Tauchen für Individualisten geeignet, die nicht so viel Wert auf eine harmonische Umgebung legen… die Gozianer scheinen ständig irgendwas zu bauen, aber überall verrotten Häuser oder liegt Schutt herum.



Beim Tauchen hat man seine Freiheit, aber man sollte sich auch Gedanken machen über die Rettungskette für den Notfall, denn man kann hier große Tiefen erreichen und teilweise befindet man sich dabei in unwegsamem Gelände.



Für Kulturfreaks sei Gjantiia empfohlen- eine Steinbehausung, die die Menschen hier bereits vor 3500 Jahren gebaut haben… wobei einige Steine sicher mehrere 100 kg gewogen haben ( Der Preis von 3,99€ pro Person war ja ein richtiges Schnäppchen, bei so tollen Steinen - Anmerkung von Stefan! ).



Die obligatorischen Sonnenuntergangsbilder wurden auch gemacht- hierfür sind wir am frühen Abend zu einem Leuchtturm gefahren. Zwei Stunden und ca. 7000 Bilder später war die Sonne dann endlich im Meer versunken und wir konnten Essen fahren… grins!



Die Rückfahrt verlief dann unproblematisch- es war kein Weltuntergangswetter und Turbolenzen mit kreischenden Flugpassagieren gab es auch nicht. Einzig stört mich immer etwas, dass so viele Passagiere nach der Landung klatschen… ich denke dann immer, dass das die Leute sind, die eigentlich nicht damit gerechnet haben, dass wir heile ankommen…



Munter bleiben
und
bis zum nächsten Mal
Dirk


