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Leipzig 2009 - Die mit dem Wels tanzte!

In meinen ganzen Tauchgängen in Deutschland (und das sind um die 400), hatte ich noch nie einen Wels gesehen. In der Fotocommunity (dort stelle ich einige meiner Fotos aus unter : http://www.fotocommunity.de/pc/account/myprofile/1130631), waren ab und zu mal Fotos von Welsen zu sehen und ich beneidete die Taucher um dieses Erlebnis. Ganz bekannt für Welsbegegnungen ist auch der Kulkwitzer See bei Leipzig. Auf der Homepage von H.- Joachim Lingelbach ( www.linsenwels.de ) kann man sogar eine Welspaarung auf einem Video sehen. Nachdem wir (Stefan und ich) Mitte Mai einen Ausflug nach Leipzig gemacht hatten und wieder keinen Wels gesehen hatten, hatte ich die Hoffnung aufgegeben. Zwei Wochen nach unserer Rückkehr, erschien jedoch ein Foto von H.- Joachim Lingelbach in der FC mit dem Titel „Die Welse sind wieder da“! Und dann auch noch auf der Plattform, am liebsten wäre ich sofort wieder hin gefahren, was aber dienstlich leider nicht möglich war. Mitte Juni  hatte ein Unterwasserfotografentreffen der FC in Leipzig stattgefunden und es erschienen Massen von tollen Bildern mit Welsen  in der FC. Jetzt hatte ich endgültig die Nase voll - ich wollte auch endlich einen Wels sehen. Bei Ebay hatte ich wieder einen Gutschein für 4 Nächte im Boardinghouse des Hotels Atlanta ersteigert und so entschieden Stefan und ich uns dann spontan, vom 1.7. - 5.7.2009 nach Leipzig zu fahren. Mit dabei war Dirk (er wollte uns nicht das alleinige Vergnügen gönnen, einen Wels zu sehen), der aber Freitag früh schon wieder die Heimreise antreten musste.

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Die Hoffnung auf die Welse war aber sehr gering, da die Brutpflege schon abgeschlossen war. Normalerweise lebt der stationäre Grundfisch meist in Verstecken wie Höhlungen oder versunkenem Astwerk. Er ist dämmerungs- und nachtaktiv und die Paarung ist von Mai bis Juli, wenn die Wassertemperatur auf 17 bis 18 Grad angestiegen ist. Die Paarung erfolgt meistens ufernah oder in seichten Bereichen über Wasserpflanzen oder zwischen Wurzelwerk. Dem Laichakt geht ein stürmisches Vorspiel voraus, die eigentliche Paarung dauert etwa 1,5 bis 2 Stunden. Das Weibchen legt die zahlreichen Eier in einer vom Männchen selbstgebauten nestähnlichen Mulde ab. Das Gelege wird vom Männchen regelmäßig mit Frischwasser befächelt und gegen jeden Besucher verteidigt - dass kann einem Taucher schon mal Prellungen, blaue Flecken und Beschädigungen des Unterwassergehäuses bescheren. Die kaulquappenähnlichen Larven schlüpfen, abhängig von der Wassertemperatur, nach zwei bis drei Tagen. Der Nachwuchs ist weitestgehend hilflos und sinkt auf den Gewässergrund, nach weiteren zwei bis drei Tagen beginnen die Tiere sich aktiv zu bewegen und ernähren sich erst von Plankton, dann von kleinen Fischen, sie halten sich in dunklen geschützten Bereichen auf. Der Wels selbst kann bis zu 80 Jahre alt werden und es wurden schon Exemplare von über 3m angetroffen, die meistens sind aber 1,5 bis 2,5 m groß.

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Über Mails hatte ich mit Achim Verbindung aufgenommen und eventuell wollte er mit uns zusammen abtauchen. Nachdem wir in Leipzig angekommen waren, rief er auch gleich an und fragten ob wir Lust auf einen Dämmerungstauchgang hätten und … - die Welse wären noch da!!! Leider waren wir ziemlich geschafft und Akkus von Fotoapparat, Blitz und Lampe waren auch nicht aufgeladen. Also verab-redeten wir uns für den nächsten Tag. Die Nacht schlief ich recht unruhig, eine Mischung zwischen Freude, Aufregung und etwas Schieß ließen mich nicht so recht zur Ruhe kommen. Donnerstag standen wir dann um 7Uhr auf, um ja pünktlich am See zu sein. Die beiden Männer machten sich wohl ein wenig über mich lustig, da ich wirklich etwas von der Rolle war und alle zur Eile antrieb. Am See angekommen, kam Achim auch schon und wir konnten mit vor zur Basis der Leipziger Delphine fahren, um unser Gerödel auszuladen. Meine Aufregung stieg und ich baute ziemlich zittrig meine Ausrüstung zusammen, es konnte mir alles gar nicht schnell genug gehen. Endlich starteten wir in Richtung Plattform, Achim und ich vorweg und Stefan und Dirk hinter uns. Nach kurzer Zeit hatten wir die Plattform erreicht und Achim zeigte zwischen den unteren Teil der Plattform. Erst sah ich nichts, als ich jedoch die Plattform umtauchte, sah ich endlich den Wels. Er hing mit dem Kopf in einem Nest aus Ästen und sah ziemlich groß und beeindruckend aus. Dann kam auch noch das Weibchen angeschwommen, das doch etwas kleiner war. Achim hatte uns vorher auch etwas zu seinen „Haustieren“ erzählt, das Männchen ist etwa 1,80 groß  und das Webchen ca.1,20 und hat auf der einen Seite keine Bartel mehr und ein verkümmertes Auge. Es sollte auch noch einen dritten Wels geben, ein Männchen von etwa 2,10m, das sich manchmal an der großen Plattform aufhielt. Wir verbrachten ca. 40 min damit, die Welse zu beobachten und zu fotografieren, zu unserer Freude fingen sie 2mal an sich zu umwerben und einen Liebesreigen zu vollführen. Ein einmaliges Erlebnis, was keiner von uns vergessen wird und was sicher auch nicht vielen Tauchern vergönnt ist zu beobachten. Wir beendeten völlig überwältigt den Tauchgang. Nach einem interessanten Plausch mit Achim, verabschiedete er sich von uns, da er leider beruflich die restlichen Tage beschäftigt war. An dieser Stelle noch mal tausend Dank an Achim, der uns dieses unvergessliche Erlebnis beschert hat.

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Am Nachmittag starteten wir noch einen 2. Tauchgang, diesmal tauchten wir zur großen Plattform, die von 20 bis auf  6m hoch geht. Mir wurde aber unter 8 Metern richtig kalt, da ich Stefan mein Unterziehshirt und meine dicken Socken gegeben hatte ( er hatte seine Unterziehsachen im Hotel vergessen – ja, ja... das Alter macht sich nicht nur an den weißen Haaren bemerkbar )! An der großen Plattform sah ich noch wie der 3. und größte Wels verschwand. Nach kurzer Zeit tauchte er jedoch wieder auf und umkreiste uns und die Plattform wie ein Hai. Mich haben die Welse sowieso irgendwie an Haie erinnert, obwohl sie bei genauer Betrachtung schon ziemlich anders aussehen. Auf dem Rückweg machten wir wieder Stopp bei der kleinen Plattform, damit sich Dirk von den Welsen verabschieden konnte. Abends gab es noch leckerer Essen am Markleeberger See, an dem es auch nette Ferienhäuser zum mieten gibt und eine Wildwasserbahn – Infos unter: www.markkleeberger-see.info .

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Am nächsten Morgen starteten wir wieder zeitig zum See, da ich unbedingt noch ein paar brauchbarere Fotos machen wollte. Leider war die Sicht nicht so gut wie am Vortag, doch ich pirschte mich diesmal ganz dicht an das Männchen ran um Fotos zu machen. Danach gab ich Stefan meinen geliebten Fotoapparat, um selbst als Model zu agieren. Stefan ist als Model sehr ungeeignet, da er im Wasser wie der "schwarze Mann" aussieht und immer viel zuviel Abstand zu den Objekten hält, so das ich selten Fisch und Stefan auf ein Foto kriege. Nachdem Stefan sich positioniert hatte, tauchte ich  an das Männchen ran. Mir war ziemlich mulmig zu mute, ich musste  unter den Stangen der Plattform durchtauchen und hatte keine Ausweichmöglichkeit. Nach oben und zur Seite waren die Stangen der Plattform, es ging nur rückwärts. Und jeder Taucher weiß, rückwärts kommt man nicht wirklich schnell vorwärts. Der Wels schien an mir auch interessiert zu sein und zog seinen Kopf aus dem Geäst, um mich zu betrachten. Er kam sehr dicht auf mich zu und sah mich an - mir blieb mein Herz stehen und ich vergaß das Atmen. Es war einfach ein gigantisches und erhebendes Gefühl. Nach meiner Meinung war ich direkt Nase an Nase mit dem Wels, allerdings sagen die Bilder etwas anderes .Aber so ist es nun mal – unter Wasser wirkt halt alles größer und näher! Nachdem noch 2 Taucher bei der Plattform ankamen, traten wir den Rückweg an, nicht ohne Fotos von den zahlreichen Barschen und einigen Döbeln auf der Plattform zu machen. Auf dem Rückweg tauchten wir noch mal an den alten Loren und dem Anker vorbei, um am Ufer noch 5 - 6 dicken Karpfen zu begegnen.

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Nachdem wir unsere Flaschen gefüllt hatten, ging es zur anderen Seite des Sees, Einstieg Basis Florian. Die Sonne knallte ganz schön und wir waren froh, als wir nach dem scheinbar endlosen Fußweg endlich im Wasser waren. Hier war die Sicht deutlich schlechter, es waren allerdings auch schon etliche Neoprenfische unterwegs. Wir tauchten rechts am Ufer entlang und ich beobachtete drei halbstarke Flussbarsche, die sich wirklich wie Teens benahmen. Mit einem mal stürzten sich alle drei auf irgendwas und ich drückte auf den Auslöser meiner E520, als ich erkannte, das die Drei einen Kamberkrebs angriffen. Der kleine Kerl kämpfte mit aller Kraft um sein Leben und konnte sich aus dem Maul des einen Barsches befreien. Leider sind die Bilder „Barsch mit Krebs im Maul“ unscharf geworden. Plötzlich zeigte Stefan auf irgendwas, als ich hin sah wimmelten es von kleinen Tierchen von 1 - 4mm Größe. Bei genauer Betrachtung, stellte ich fest, dass es sich um kleine Süßwassergarnelen ( Atyaephyra desmaresti ) handelte. Die zu fotografieren stellte sich als äußerst schwierig heraus, da ich kein Makro besitze und die Kleinen auch jede Sekunde in Bewegung waren. Wir begegneten noch ein paar scheuen Schleien, einem Hecht und am Ausstieg einem Rudel großer Marmorkarpfen. Stefan fotografierte ( mit der DC800 ) noch stundenlang eine tote Ente und zeigte mir dann noch ne komische Armbewegung, die aussah, als würde er fliegen. Ich begriff nach einiger Zeit, dass er einen Vogel meinte. Beim Auftauchen erzählte er mir, er hätte einen Reiher unter Wasser beim Jagen gesehen. Nachdem ich die Fotos sehen wollte, zuckte er mit den Schultern und meinte, er hätte vergessen zu fotografieren. Ich war entsetzt!!! Beim späteren Betrachten der Bilder im Hotel fragte ich Stefan, warum er so viele Bilder von der toten Ente gemacht hätte – darauf kam die Antwort:“ Welche tote Ente, ich habe einen kleinen Hecht fotografiert!“

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Kurz gefasst – es war mal wieder ein tolles verlängertes Wochenende und die Tauchgänge im Kulkwitzer See sind jedes Mal ein Erlebnis.

Lustiges Abtauchen wünscht Kerstin!

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